AUFTAKT OHNE ORDEN!!!




Eklat bei den Wupperveilchen

Drei Mitglieder des Kindertanzcorps weigerten sich beim Auftakt in Uniform, Orden anzunehmen. Die müssen nämlich von den Mädchen und deren Eltern selbst bezahlt werden.
Feiern, tanzen, Spaß haben - dafür steht eigentlich Karneval. Seit 83 Jahren mischt die KG Wupperveilchen in der fünften Session kräftig mit. Beim Auftakt in Uniform am Samstag zeigte sich jedoch, dass nicht allen Wupperveilchen zum Lachen zumute ist. Beim Funkenappell des Kindertanzcorps kam es zum Eklat. Bei klirrender Kälte vor der Volksbank war das Kinder-Tanzkorps sichtlich erleichtert als es hieß „Antreten zum Funkenappell.“ „Alles in Ordnung“, befand Präsident Achim Tolksdorf nach kurzer Musterung.

Und plötzlich die Überraschung: Laura Flügel, Roxanne König und Kristin Neukirchen weigerten sich, den Orden anzunehmen. „Vor der Presse sollen wir tun, als sei alles in Ordnung?“ Das sahen die Mädchen überhaupt nicht ein. Sie waren zuvor instruiert worden, ihre Orden nach dem Appell wieder zurückzugeben. Warum? Ihre Mütter Iris Bebermeier-König, Sabine Flügel und Bianca Neukirchen-Illian hatten sich geweigert, die Orden für jeweils acht Euro zu kaufen.

„Wir tun soviel für den Verein“, entrüstete sich Iris Bebermeier-König. „Und plötzlich sollen wir die Orden selbst bezahlen?“ Um die acht Euro ginge es gar nicht. Aus ihrer Sicht haue die gesamte Geschäftspolitik des aus alten Männern bestehenden Vorstands nicht hin. „Ich habe die Weihnachtsgeschenke für die Kinder bezahlt, sonst hätten sie gar nichts bekommen.“ Ihr Mann wollte sogar das Wurfmaterial sponsern. Manfred Luxem, 1. Vorsitzender der KG Wupperveilchen machte die Arbeit an diesem Samstag keinen Spaß mehr. „Wir haben in der letzten Session finanziell richtig geblutet“, so Luxem. „Und ich weigere mich, den Verein an die Wand zu fahren.“Der 1. Vorsitzende hatte sich zuvor bereits mit etlichen Wupperveilchen herumschlagen müssen, weil es in dieser Session keine Prunksitzung geben wird.

Nachdem eine Prüfung des Finanzamtes ergeben hatte, dass die Zeltveranstaltung auf dem Marktplatz eine wirtschaftliche Veranstaltung ist, sollten die Wupperveilchen 1000 Euro Miete zahlen. „Unbezahlbar“, so Luxem, und inzwischen ist der Verein in der 18-monatigen Probezeit für die Gemeinnützigkeit und somit strikten Auflagen unterworfen, was Zuwendungen an die Mitglieder zum Beispiel in Form von Orden und das Ausstellen von Spendenquittungen angeht.

Die Angst vor der Steuerprüfung geht um. Deshalb wurde auf der letzten Mitgliederversammlung per Mehrheitsentscheid gefasst, dass die Orden selbst zu bezahlen sind. „Dort waren wir als Nicht-Mitglieder gar nicht zugelassen“, empörten sich Iris Bebermeier-König und Sabine Flügel. Ihre Töchter seien zwar Mitglieder, aber es hätten nur Erwachsene Zutritt. Um Geld zu sparen hätte sie angestoßen, aus dem Zelt auf dem Marktplatz ins Pfarrheim umzuziehen, aber das sei den Herren wohl nicht gut genug gewesen.

Am 20. Januar soll es laut Manfred Luxem ein Gespräch mit den Müttern geben. „Daran glaube ich sowieso nicht“, so Iris Bebermeier-König. Für die drei Mädels stand die Entscheidung am Samstag fest: „Die Session machen wir noch zuende, aber dann treten wir aus.“
Claudia Proske
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Opladen
Ausgabe: Nr.9
Datum: Montag, den 12. Januar 2009
Seite: Nr.9











Funkenappell 2009